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Flamingomania oder: Taschendoofi trifft „Vicky“ (ithinksew)

„Musst du dir jetzt noch kurz vorm Urlaub nen neuen Rucksack nähen?“, warf mir Herr Fadenwechsel entgegen. „Es ist ja nicht so, dass wir hier nicht schon genug hätten!“. Doch, eigentlich haben wir hier genug Taschen und Rucksäcke hätten, jedoch erwecken die meisten den Anschein, als wolle man an einem tagelangen Hajk teilnehmen- sowas passt ja ganz toll zu Kleidern, Röcken, etc.- NICHT!

Taschen gehörten zu den „meine Nähmaschine und ich gewöhnen uns gerade aneinander“-Teilen, als es mit dem Nähen ernster wurde. Eigentlich waren es Utensilos und simple Mäppchen mit Reißverschluss, von denen heute noch fast alle in Anwendung sind. Mit der Zeit verlagerte sich mein Fokus aber auf Kleidung und der Drang, Taschen selbst zu nähen, verging. Zumindest bis das Verlangen nach einem Rucksack aufkam. Aber bitte in hübsch!

Eine Zeit lang durchstreifte ich vereinzelt Geschäfte in der Innenstadt, die Suche blieb jedoch erfolglos. Es fielen wahlweise Farbe, Verarbeitung/Material oder Preisgestaltung durch (ODER das Teil stammte aus zweifelhafter Herkunft :-/). Na gut, dann doch zurück an PC und Nähmaschine, beim Kleidung nähen klappt das ja schließlich auch!?

Innerlich stellte ich einen kleinen Katalog an Anforderungen auf:

  • Die Größe: Welche minimale und maximale Größe soll der Rucksack haben?

Wenn es ein Modell wird, das ich auch für die Uni nutzen will, muss von der Höhe her mindestens ein DIN A4-Buch und eine Trinkflasche reinpassen- also eher ein Tagesrucksack. 

  • Die Optik: Zu welchen Teilen soll der Rucksack passen?

Nicht zuuu sportlich. Abhängig vom Material sind Rucksäcke wahrscheinlich immer sportlich, aber es sollte nicht unbedingt einen dramatischen Stilbruch zu Kleidern, Röcken und Jacken darstellen. 

  • Material: Kunstleder? „Veganes Leder“? Tierisches Leder? Stoff?

Die Materialfrage bringt mich in ein Dilemma. Leder ist an sich ein haltbares, langlebiges Material mit einer edlen Optik. Leider findet meine Haut längeren Kontakt vor allem mit Chromverbindungen gegerbtem Leder überhaupt nicht lustig (dieses macht aber mittlerweile den Großteil aus :-/), desweiteren wird das Tier, dem die Haut vorher gehörte, wohl kaum zu Tode gestreichelt…(wobei man ja auch fairerweise sagen muss, dass (Rinder-)Haut beim Schlachten überwiegend ein Nebenprodukt ist).
Mit sogenanntem „veganem Leder“ habe ich bisher keine Erfahrungen und normales Kunstleder hatte bei meinen bisher gekauften Taschen nicht die Haltbarkeit, die ich mir gewünscht hätte. Was ist mit Stoff? Das *kann* schnell nach gebastelt-selbstgenäht aussehen, hier ist die richtige Stoffwahl absolut entscheidend. Also kein Gerüschel, wilde Stoffkombinationen oder Zierbänder. Bei stoff4you fiel mir dieser beidseitig verwendbare Möbelstoff auf, von dem ich sogleich eine Stoffprobe bestellte:

Die Stoffprobe wurde für gut befunden und so wurde etwas mehr bestellt (mittlerweile schätze ich es sehr, wenn man ohne großen Aufwand Stoffproben bestellen kann- das hat mir bisher einiges an Ärger erspart).
Als Futter durfte ein Möbelstoff von Ikea herhalten, den mir mal ein Kommillitone vermacht hatte (siehe ein paar Absätze weiter unten).

Das Schnittmuster: Welche Modelle kommen infrage?

Kleben geblieben bin ich beim London Backpack von lgb studio und bei „Vicky“ von ithinksew. Der Titel verrät, für welches Schnittmuster ich mich entschieden hatte… ;). Fredi von Seemannsgarn zeigte letztes Jahr ihre „Vicky“ und so konnte ich bereits einen Eindruck gewinnen, wie das Ding am Ende aussehen wird. Den London Backpack habe ich erstmal auf die „haben wollen“-Liste gesetzt.

Die Entstehung und die Anleitung

Mamma mia….Das war was…Man musste am Schnitt selbst noch etwas korrigieren, da zwischen den zusammenklebenden Schnittteilen ein paar Millimeter fehlten (nicht gut…). Die Beschreibung der einzelnen Schritte ist kurz und bündig gehalten, das wiederum bin ich von Burda & Co. gewohnt und das ist auch in Ordnung. Verwirrend wurde es allerdings, als es um den Zuschnitt ging: Einerseits war auf den Schnittteilen selbst vermerkt, wie oft diese zugeschnitten werden mussten, andererseits wurden auf der Liste teils die selben Teile nochmal mit einer Bemaßung aufgelistet (nebst Schnittteilen, die ohne extra Schnittteil bemaßt zugeschnitten werden mussten…versteht mich jemand? ;D)
Für mich war das wiederum verwirrend, da man darauf achten musste, nicht zu viel zuzuschneiden- das gelang mir leider nicht, weshalb ich nun immer noch z.B. Teile für zwei weitere Träger in der Kiste liegen habe… -.-‚
Des Weiteren waren die Materialangaben beispielsweise für das Gurtband seeehhr großzügig bemessen- 4 yards (ca. 3,6m) waren angegeben, ca. 2m habe ich übrig.

Hier könnt ihr ein paar Fotos aus der Entstehungsphase sehen:

 

 

Das Design finde ich alles in allem gut gemacht, der „Hauptraum“ ist groß genug um ein DIN A4 Laborbuch, einen größeren Laptop, einen Regenschirm und anderen Kleinkram zu beherbergen. Einzig auf die zum Rücken gewandte Innentasche hätte ich im Nachhinein verzichten können, da dickere Gegenstände doch eher unangenehm ins Kreuz drücken. Ebenfalls habe ich auf die seitlichen Schlaufen an den Außentaschen verzichtet, da erschließt sich mir der Sinn nicht ganz. Als Einlage habe ich eine feste Schabrackeneinlage verwendet. Im Großen und Ganzen vernähte meine Maschine das Material tadellos- sofern ich es aufgrund der Dicke überhaupt unter den Nähfuß bekam…O_o  Die Stelle, an der Außen- und Innenrucksack mit Schrägband verbunden werden, werde ich wohl nochmal verbessern müssen, da das Schrägband zu schmal war, um alle Lagen ordentlich zu fassen. Falls jemand von euch den Rucksack nachnähen möchte: Ich empfehle, an den stark belasteten Stellen (Träger), den Dreifachgeradstich zu verwenden, sonst dürft ihr wohl relativ schnell nachbessern.

Hier noch ein Foto des fertigen Teils (mittlerweile findet sich auf der Rückseite der ein oder andere Schokoeisfleck…arrrggghh!):

 

Im Nachhinein habe ich beim Blick auf die Frontansicht doch ein bisschen Augen-Aua, aber im Alltag kann ich mit dem Nicht-Passen des Musters ganz gut leben- ist jetzt halt so!

Fazit: Routinierte TaschennäherInnen werden hierbei wahrscheinlich weniger Probleme haben, ich hatte den ein oder anderen Tobsuchtsanfall (möglicherweise saß das Problem hier wie so oft vor der Maschine? ;-P). Nach fast drei Monaten im beinahe täglichen Gebrauch ist mir das Teil ein treuer Begleiter geworden, vor allem würde ich sagen, dass durch die Innenfächer auch Wertsachen gut geschätzt sind. Bei regnerischem Wetter muss ich allerdings daran denken, den Rucksack nicht in der Bahn auf den nassen Boden zu stellen (oder man macht es wie eine Pinguinmama ;)).

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Ein Kommentar zu „Flamingomania oder: Taschendoofi trifft „Vicky“ (ithinksew)

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